Typisch Deutsch
Siezen
B2, Negation bei Adjektiven, Gendersprache, Anrede, Höflichkeit, duzen
Der Begriff Höflichkeit wurde bereits im 12. Jahrhundert in den deutschen Sprachgebrauch aufgenommen und stellt eine Referenz zu dem Hofe entsprechend her. Die Sitten, Bräuche und Verhaltensweisen, die den Regeln des Hofes also der Adligen folgten, können sich auf ganz verschiedene Bereiche des Lebens beziehen: Essmanieren, Kleidung, Grußformeln etc. Dem Siezen wurde dabei ein sehr hoher Stellenwert zugeschrieben und es ist auch heute noch weit verbreitet.
In der Regel siezt man erwachsene Personen, die einem fremd sind, die älter sind oder eine höhere Position besitzen als man selbst. Darüber hinaus verwenden einige Personen das Sie, um Distanz zwischen sich selbst und dem*r GesprächspartnerIn herzustellen. In der Vergangenheit wurden viele Eltern von ihren Kindern gesiezt, was uns heute in Deutschland völlig absurd vorkommt. Dadurch sollte Respekt, Ehrfurcht und eine gute Erziehung ausgedrückt werden.
Im Kontrast dazu steht das Duzen, welches eine gewisse Vertrautheit ausdrückt. Diese Form wird heute vorwiegend benutzt. FreundInnen, PartnerInnen, Verwandte, enge Bekannte und auch die Familienmitglieder werden geduzt. Auch immer mehr Firmen etablieren die Du-Form in ihrer Unternehmensphilosophie und machen so die Hierarchien flacher. In einigen Unternehmen ist es normal jeden und jede zu duzen, unabhängig von der Position, die sie haben.
Doch woher kommt dieser Wandel? Dem Sie wird immer mehr der Rücken zugekehrt, da autoritäre Gemeinschaften nicht mehr so vorherrschend sind wie noch vor einigen Jahren. Das Du steht nicht für Respektlosigkeit, sondern stellt eine Art der „Gleichbehandlung“ und der Vernetzung dar. Der Sprachwandel und die Tradition ist jedoch noch nicht so weit fortgeschritten, dass das Siezen verzichtbar geworden ist. Es gibt immer noch eine Vielzahl an Situationen, in denen ein Sie angebracht ist und erwartet wird.